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Christoph Oppermann / Medienblog

Autor: christophoppermann (Seite 8 von 14)

Der Verfall eines Netzwerkes: Was kommt nach Facebook?

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Eine interessante Behauptung, und wenn diese nur pointiert genug formuliert ist, verbreitet sie sich auch rasant im Netz. Eine Princeton-Studie vergleicht Facebook mit einer Epidemie (gegen die Medizin-Analogie spricht aus Laiensicht zunächst nicht viel) und gelangt zu dem Schluss, dass die Entwicklung des Zuckerberg-Netzwerks einen ähnlichen Verlauf nehmen wird wie eine Seuche – nach einem virulenten Höhepunkt ist zügig Feierabend.

Facebook habe seinen Zenit überschritten und stehe vor dem Untergang, mutmaßt die Studie „Ein epidemiologisches Modell von Dynamiken in sozialen Netzwerken“. Klingt verschroben, kommt aber von US-Wissenschaftlern der renommierten Princeton Universität. Die These von John Cannarella und Joshua A. Spechler: In seiner Verbreitung ähnele Facebook einer Seuche – ist der Höhepunkt überschritten, wird sie meist schnell ausgerottet. Facebook konterte mit einem Abgesang auf die US-Eliteuni. … (Meedia.de)

… Begonnen hatte der Analyse-Nahkampf mit einer Meldung der Princeton-Forscher, die einen baldigen Verfall von Facebook ausgemacht haben wollen: Angeblich, so berechneten John Cannarella und Joshua Spechler, werde Facebook in den Jahren 2015 und 2017 rapide an Bedeutung verlieren und etwa 80 Prozent seiner Nutzer einbüßen. … (Welt.de)

Lesenswert, aber in der als Link angehängten Form doch erschöpfend beschrieben. Wirklich lesenswert dagegen ist der Jakubetz-Text auf Cicero.de. Nicht wegen der dort genannten Fakten (Rückgang der Zahl jüngerer Nutzer, App-Spitzenposition an WhatsApp verloren …), die, wenn man sich nur ein klein wenig dafür interessiert, einem in den vergangenen Monaten immer wieder untergekommen sind. Interessant ist vielmehr Jakubetz‘ Erklärung für dieses Phänomen:

Raus aus Facebook, rein in kleinere Netzwerke oder in Messenger-Dienste: Was Statistiker gerade beobachten, ist nicht einfach eine Abkehr von einem digitalen Riesen. Dahinter steckt ein simpler Wunsch nach dem digitalen Vergessen. … Der Weg führt zurück. Aus der totalen Öffentlichkeit, in der jeder noch so belanglose Pups für jedermann nachvollziehbar wurde. Weg von der öffentlichen Mitteilung hin zu einer Form der Kommunikation, die zwar schnell und unmittelbar ist, dennoch aber innerhalb eines überschaubaren Kreises bleibt. … Mit ein paar Leuten nackt in der Sauna zu sitzen ist nichts gegen das Eingesperrtsein mit vielen angezogenen Menschen in einem sozialen Netzwerk. In der Sauna halten die Leute wenigstens meistens die Klappe. (Christian Jakubetz auf Cicero.de)

Vielleicht erleben wir gerade tatsächlich den nächsten Umbruch im Digitalen und müssen uns von der Vorstellung verabschieden, die Arbeit unserer Redaktionen außer über bedrucktes Papier über ein einzelnes Netzwerk zu verteilen. Bislang war es zumindest für Lokalzeitungen relativ komfortabel, Facebook zur Verbreitung von Inhalten und – im günstigsten Fall – auch als Zugangskanal zur Redaktion nutzen zu können. Fächert sich das nun auf, bedeutet das zwar ein zusätzliches Maß an Arbeit, gleichzeitig aber auch die Chance, die Leser/Kunden/User sehr viel präziser als bislang zu erreichen – die entsprechenden Inhalte vorausgesetzt.

Weitere Links zum Thema und zur Princeton-Studie: The GuardianSüddeutsche, Manager-Magazin, Wirtschaftsblatt, Horizont, Irish Times,

Watson: News für Frauen mit Tattoos?

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„News für Frauen mit Tattoos“ überschreibt die NZZ ihren Beitrag über das neue Portal Watson.ch, das seit Mittwochabend (22.1.) online ist. Eine wenig schmeichelhafte Einschätzung, was aber nicht wirklich wundert, und auch die Äußerungen anderer Schweizer Medien sind erwartungsgemäß zurückhaltend, und zwar mit Blick auf Inhalte und Erlösabsichten. In vier Jahren soll Watson.ch in der Gewinnzone sein, als Anschubfinanzierung stehen 20 Millionen Franken zur Verfügung, heißt es in allen Beiträgen.

Noch einmal die NZZ: „… Und so sieht der ideale Watson-Kunde aus: weiblich, 25-jährig, mobil, Migrationshintergrund, Maturaabschluss, mit Tattoos geschmückt. Zur Zielgruppe gehören also Personen, die Medien – so befürchtet Voigt – verloren gehen, weil sie sich vor allem in sozialen Netzwerken aufhalten.“

Vielleicht funktioniert’s.

Meedia: Fragwürdige Media Analyse

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Lässt sich die Media Analyse zur Ermittlung der Leserzahlen von Zeitschriften noch ernst nehmen? Auch die neueste Ausgabe der ma wird wieder für heftige Diskussionen sorgen. So haben sich die Leserzahlen der meisten Magazine – trotz bekannter rückläufiger Auflagen – mal wieder erhöht. Einige Beispiele zeigen, wie offensichtlich antiquiert das ma-Modell mit Umfragen inzwischen ist. MEEDIA nennt Beispiele und zeigt die Rankings der neuesten ma Pressemedien 2014 I.

Den ganzen Media-Beitrag dazu gibt’s hier.

Hass auf Lanz? Ach was! Shit happens. Shitstorm auch.

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Was ist nun so schlimm daran, dass ein TV-Mensch im Gespräch nachhakt, versucht eine Politikerin auf klare Aussagen festzunageln und auch eine eigene Meinung – manche nennen Haltung – vertritt? Wäre ein ähnlicher Proteststurm losgegangen, hätte beispielsweise Marietta Slomka ein ähnliches Gespräch mit Sahra Wagenknecht geführt? Dass dieser Lanz doof, peinlich und “unwürdig” (ja, der Begriff fällt in der Petition tatsächlich) ist – da sind sich nun sehr viele sehr schnell einig. Da schreiten Medienblogger und die Bild-Zeitung in seltener Allianz Seit’ an Seit’. Lanz einfach nur noch peinlich zu finden, ist Meinungs-Mainstream – zumindest im Web.

Hass auf Markus Lanz? Eine Nummer kleiner haben wir’s leider gerade nicht. die Fragen, die Stefan Winterbauer im Meedia.de-Text stellt, sind eigentlich leicht beantwortet:

    • Nachhaken ist eine Sache, aber wenn man eine klare Aussage von einem Interviewpartner haben möchte, sollte man diesen zumindest einen Satz mal vollenden lassen können. Höflichkeit und hartes Nachfassen müssen einander nicht ausschließen. Werner Sonne beispielsweise ist das zumeist gelungen, und die wenigsten Bundespolitiker haben nach dessen Fragen Vergnügungssteuer bezahlt.
    • Vielleicht hilft ein bestimmtes Image – im Zusammenhang mit Markus Lanz gelegentlich auch „Schwiegermuttercharme“ (was ist das eigentlich?) genannt – nicht weiter, wenn eigentlich journalistische Kompetenz gefragt ist. Das eine soll das andere nicht ausschließen, aber smartes Auftreten kann Wissen nicht ersetzen. Die Frage „Euro – ja oder nein“, gerichtet an einen Fraktionsvize der Linken im Bundestag, hat auf die Lebenswirklichkeit der Bundesbundesbürger ähnlich viel Einfluss wie ein Statement einzufordern, ob man im Januar für oder gegen den Winter sei. Es spielt einfach keine Rolle.
    • Dass Herr Lanz die Nachfolge von Thomas Gottschalk angetreten hat, ist eben für den in die Kritik geratenen Lanz verhängnisvoll. Gleich, wie man zu Gottschalk steht, wird man allerdings kaum einen Entertainer im deutschsprachigen Raum finden, der in diese Fußstapfen hätte treten können, ohne fast zwangsläufig scheitern zu müssen. Ehrlicherweise hätte das ZDF die Show einstellen müssen. Eiswürfel im Schritt, Katzenmützen – das muss man nicht lustig finden. Das ist nicht einmal Bandbreite, das ist daneben. Und noch mehr, wenn’s nicht Trash-TV ist, sondern gebührenfinanziert.
    • Warum Lanz auf einmal so viele (digitale) Gegner hat? Vielleicht hat er einfach Pech, seine Vorgängergenerationen in den öffentlich-rechtlichen Anstalten einfach Glück. Falsche Zeit, falscher Ort, falscher Sender, falsche Sendungen, falsche Generation. Gegen Lou van Burg, Hans-Joachim Kuhlenkampff und ähnliche Figuren hätte man nur Postkarten an den jeweiligen Sender schreiben können – digital ist der Protest leichter zu verfassen und zu verbreiten. Unmut bricht sich im Netz leichter Bahn. Früher war alles besser. Zumindest für TV-Leute im Öffentlich-Rechtlichen. Weniger Alternativen für die Zuschauer, und Meckereien sind nur via Snailmail aka Deutsche Bundespost eingetroffen. Shit happens. Shitstorm auch.

Links: Meedia, Openpetition.de, Meedia, Stefan Niggemeier

„Die tote Kuh kommt morgen rein“: Ralf Heimanns lesenswerte Beschreibung des Redaktionsalltags

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… Mit Journalismus im eigentlichen Sinn hat das wenig zu tun. Und ohne die Moralkeule zu schwingen, thematisiert Heimann das grundlegende Problem deutscher Lokalzeitungen: Sie tun brav, was Interessensgruppen wie Schützen oder Karnevalisten von ihnen verlangen. Das erfreut zwar diese, doch gilt das auch für die Masse der Leser? … Die Geschichte um den “Borkendorfer Boten” endet mit einer Art Cliffhanger. Das macht Hoffnung auf einen Nachfolger. Noch viel schöner aber wäre es, regelmäßig Geschichten aus dem nördlichen Münsterland zu lesen, und das Format der kleinen Geschichten böte dies ja an. Und deshalb rufe ich aus: “Ralf Heimann! Ich will ein Blog von Dir!”

(Thomas Knüwer, Indiskretionehrensache)

Danke, Thomas Knüwer, für die appetitanregende Empfehlung, Dank vor allem an Ralf Heimann  für dieses Buch. Jeder, der auch nur ein Zwei-Wochen-Schulpraktikum in einer Lokalredaktion hinter sich gebracht hat, wird seinen Spaß an der Lektüre haben. Nichts übertrieben, nichts zu sehr zugespitzt oder verdichtet – so geht’s eben zu in deutschen Lokalredaktionen.

Weil Thomas Knüwer das Buch bereits so treffend und verlockend beschrieben hat, gibt’s hier auch nur noch sehr kurze und wenige Anmerkungen:

  1. Nach mehr als 20 Jahren gibt es jetzt endlich das Journalisten-Gegenstück zu Niebuhr und Marks – zwei Kommunalpolitiker in der niedersächsischen Provinz. Leider scheint dieses Buch nur noch gebraucht erhältlich zu sein. Lesenswert ist es aber allemal und immer noch. Und ähnlich unterhaltend wie das Heimann-Buch.
  2. Wer den Inhalt des Buches „Die tote Kuh kommt morgen rein“ für Redaktionsfolklore hält, irrt. Es geht weniger um die technische Ausstattung als vielmehr um die Art und Weise, Themen zu finden und mit offenkundigen Problemen umzugehen. Das findet sich als Verhaltensmuster nicht nur in kleinen Lokalredaktionen und nicht nur in der Provinz. Das gibt es es auch in größeren Redaktionen.
  3. Wer sich aus Lesersicht darüber lustig macht, kann ja gelegentlich mal überlegen, was er „seiner“ Lokalredaktion aufdrängt.
  4. Noch ein guter Grund für Kauf und Lektüre: Alles ist auf den Punkt geschrieben, manches urkomisch, vieles zum Niederknien skizziert.

Mehr über Ralf Heimann und sein Buch „Die tote Kuh kommt morgen rein“ gibt’s hier:
Spiegel, Münstersche Zeitung, Wikipedia, Fischer-Verlage, WDR

Auflagen im freien Fall? Das Quartal 4/2013

MedienMagazin: Kanäle im Überblick

Die Legitimation von Blogs und anderen Massenmedien

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Eine interessante und unterhaltsame Debatte hat Karsten Lohmeyer mit zwei Posts wiederbelebt:

Eine andere Legitimation als die Zahl der Menschen, die ihnen folgen, haben Blogger wir Jessica Weiß nicht. Wer viele Klicks bekommt, kann bestehen und bekommt die besten und teuersten Werbeaufträge. Und die anderen eben nicht.

An dieser Aussage kann man sich aber auch wirklich festbeissen. Die Tageszeitung mit der größten Auflage, dem größten Verbreitungsgebiet, der größten Akzeptanz, den geringsten Streuverlusten und, und, und bekommt die lukrativsten 1/1-Werbeseiten oder Beilagen – die anderen eben nicht, oder eben nur in geringerem Maße. Das ist nicht neu, und warum sollte bei Bloggern anrüchig sein, was für Verleger ehrenwertes Geschäftsmodell ist? Ist Publizieren wirklich eine Frage der Legitimation?

Die Diskussion, die Elisabeth Dostert in dem SZ-Beitrag „Ich blogge“ führt, ist eigentlich eine Phantomdebatte. Wer definiert Legitimation? Redakteure bei Tages- oder Wochenzeitungen, in Nachrichtenmagazinen? Das wünschen diese sich vielleicht, wäre aber gespenstisch. Ohne wirtschaftlichen Grundlage und finanziellen Erfolg ist die Frage nach Legitimation eine reine Theorie zu wie auch immer gearteten „höheren Aufträgen“. Wenn es solche gäbe, sollten wir uns dringend mal darüber auseinandersetzen. Ist die Kasse leer, läuft keine Rotation weiter, und wenn kein Werbekunde für einen Modeblog mehr zahlt, gerät die öffentliche Stellungnahme zum Hobby. Auch dagegen wäre nichts zu sagen. Das Netz ist voll von bereichernden Blogs und Posts, die mit Sicherheit niemals auch nur einen Cent in die Kasse spülen und dennoch lesenswert sind.

An Jessica Weiß‘ Blog stört mich lediglich, dass Klicks und Umsatz nicht bei uns auflaufen.

 

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