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Christoph Oppermann / Medienblog

Schlagwort: Stefan Niggemeier

Hass auf Lanz? Ach was! Shit happens. Shitstorm auch.

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Was ist nun so schlimm daran, dass ein TV-Mensch im Gespräch nachhakt, versucht eine Politikerin auf klare Aussagen festzunageln und auch eine eigene Meinung – manche nennen Haltung – vertritt? Wäre ein ähnlicher Proteststurm losgegangen, hätte beispielsweise Marietta Slomka ein ähnliches Gespräch mit Sahra Wagenknecht geführt? Dass dieser Lanz doof, peinlich und “unwürdig” (ja, der Begriff fällt in der Petition tatsächlich) ist – da sind sich nun sehr viele sehr schnell einig. Da schreiten Medienblogger und die Bild-Zeitung in seltener Allianz Seit’ an Seit’. Lanz einfach nur noch peinlich zu finden, ist Meinungs-Mainstream – zumindest im Web.

Hass auf Markus Lanz? Eine Nummer kleiner haben wir’s leider gerade nicht. die Fragen, die Stefan Winterbauer im Meedia.de-Text stellt, sind eigentlich leicht beantwortet:

    • Nachhaken ist eine Sache, aber wenn man eine klare Aussage von einem Interviewpartner haben möchte, sollte man diesen zumindest einen Satz mal vollenden lassen können. Höflichkeit und hartes Nachfassen müssen einander nicht ausschließen. Werner Sonne beispielsweise ist das zumeist gelungen, und die wenigsten Bundespolitiker haben nach dessen Fragen Vergnügungssteuer bezahlt.
    • Vielleicht hilft ein bestimmtes Image – im Zusammenhang mit Markus Lanz gelegentlich auch „Schwiegermuttercharme“ (was ist das eigentlich?) genannt – nicht weiter, wenn eigentlich journalistische Kompetenz gefragt ist. Das eine soll das andere nicht ausschließen, aber smartes Auftreten kann Wissen nicht ersetzen. Die Frage „Euro – ja oder nein“, gerichtet an einen Fraktionsvize der Linken im Bundestag, hat auf die Lebenswirklichkeit der Bundesbundesbürger ähnlich viel Einfluss wie ein Statement einzufordern, ob man im Januar für oder gegen den Winter sei. Es spielt einfach keine Rolle.
    • Dass Herr Lanz die Nachfolge von Thomas Gottschalk angetreten hat, ist eben für den in die Kritik geratenen Lanz verhängnisvoll. Gleich, wie man zu Gottschalk steht, wird man allerdings kaum einen Entertainer im deutschsprachigen Raum finden, der in diese Fußstapfen hätte treten können, ohne fast zwangsläufig scheitern zu müssen. Ehrlicherweise hätte das ZDF die Show einstellen müssen. Eiswürfel im Schritt, Katzenmützen – das muss man nicht lustig finden. Das ist nicht einmal Bandbreite, das ist daneben. Und noch mehr, wenn’s nicht Trash-TV ist, sondern gebührenfinanziert.
    • Warum Lanz auf einmal so viele (digitale) Gegner hat? Vielleicht hat er einfach Pech, seine Vorgängergenerationen in den öffentlich-rechtlichen Anstalten einfach Glück. Falsche Zeit, falscher Ort, falscher Sender, falsche Sendungen, falsche Generation. Gegen Lou van Burg, Hans-Joachim Kuhlenkampff und ähnliche Figuren hätte man nur Postkarten an den jeweiligen Sender schreiben können – digital ist der Protest leichter zu verfassen und zu verbreiten. Unmut bricht sich im Netz leichter Bahn. Früher war alles besser. Zumindest für TV-Leute im Öffentlich-Rechtlichen. Weniger Alternativen für die Zuschauer, und Meckereien sind nur via Snailmail aka Deutsche Bundespost eingetroffen. Shit happens. Shitstorm auch.

Links: Meedia, Openpetition.de, Meedia, Stefan Niggemeier

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