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Christoph Oppermann / Medienblog

Schlagwort: Bezahlschranke

Kress: Paywall-Bilanz der Regionalverlage

Kress.de, 2.5.2014: Die Paywall-Bilanz der Regionalverlage: „Wir ertrinken nicht im Geld“

… Patrick Wölke, Geschäftsführer von DuMont Net: „Die eigentliche Herausforderung besteht darin, die Strukturen und Prozesse im Hintergrund radikal zu verändern. Wir verkaufen komplexe digitale Produkte. Von Upselling über Reporting bis zum Kundenservice: Wir müssen das ganze Haus umdrehen, wenn wir ein solches Premiumprodukt am Markt erfolgreich platzieren und permanent aussteuern wollen“, sagt Wölke. …

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Der lesenswerteste Ansatz in diesem kurzen Beitrag ist noch der von Patrick Wölke. Solange Verlage und deren Redaktionen ihre Angebote nicht grundsätzlich ändern und erweitern, wird’s – vorsichtig formuliert – schwierig, digitalisierte Tageszeitungen zu verkaufen. Wenn das analoge Original schon immer schwieriger abzusetzen ist, wird sich die Branche für den Online-Weg schon andere Angebote überlegen müssen, um nennenswerte Erlöse zu erzielen.

 

 

Journalismus: Weder Produkt noch Dienstleistung. Nur Zauberei.

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Der Leser braucht Journalismus nicht, aber er bekommt ihn im Überfluss. Und nur weil es uns viel gekostet hat und wir es für wertvoll erachten, muss es der Leser noch lange nicht als Wert anerkennen. Darum wird auch jede Paywall scheitern, solange sie vor einer austauschbaren Nachrichtenseite sitzt.

Wahrheiten, die keinem Journalisten gefallen werden (und wohl auch keinem Verleger), aber eben Wahrheiten sind. Und nur wenige haben es so klar und präzise formuliert wie Stephan Goldmann auf LousyPennies.de.

Das Abendland ist immer noch nicht untergegangen.

Breaking news: Feinkost-Alfred führt Paywall ein

Helle Aufregung in der Lebensmittelbranche und im Einzelhandel: Feinkost-Alfred hat eine Paywall eingeführt. Fortan, heißt es aus der Unternehmenskommunikation des Discounter-Riesen, seien alle Angebote im Sortiment bezahlpflichtig. Feinkost-Alfred begründet diese Bezahlschranke mit der Ausweitung des Angebotes auf hochwertige Produkte, allerdings sollen auch die sogenannten Billigmarken nun nicht mehr gratis erhältlich sein.

In der Branche sowie in der Öffentlichkeit hat die Bezahlschranke für Empörung gesorgt und zum Teil bittere Reaktionen. Ein wehr.dich-Sprecher verurteilte die neue Erlösquelle als unmoralisch. „Jeder hat ein Recht auf Nahrung, das kann nicht vom Einkommen abhängen.“ Er kritisierte darüber hinaus den Zeitpunkt kurz vor dem Weihnachtsgeschäft und den Versuch des Discounters, die Bezahlschranke ohne Ankündigung einzuführen: „Das ist Abzocke durch die buchstäblich kalte Küche.“ Und: „Jetzt werden Menschen sogar im Supermarkt zur Kasse gebeten.“ Der wehr.Dich-Bundesvorstand wolle nun über andere Finanzierungs- und Verteilungsmodelle nachdenken. Denkbar sei beispielsweise, Lebensmitteldiscounter auf Stiftungsbasis zu führen.

Empört gaben sich auch Vertreter der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Für Lebensmittel Geld zu verlangen, sei unmoralisch, überhaupt Geld von jemanden zu verlangen, ohnehin schon fragwürdig. Allerdings mussten Sprecher der Katholischen Bischofskonferenz und der EKD einräumen, dass beide Institutionen selbst nicht nur zusätzliche Einnahmen in namhafter Höhe aus Vermietung, Verpachtung und Dienstleistungsgeschäften zu verzeichnen hätten, sondern auch im „Kerngeschäft“ – nämlich nach den üblichen Sonntagsmatineen – mit Nachdruck Spenden erbäten. „Das sind aber nur lousy pennies“, antwortete ein Kirchensprecher auf die Frage, was die Sonntagskollekte durchschnittlich ergibt, und rechtfertigte die Sammlung mit dem Hinweis „Es arbeitet schließlich niemand für Gottes Lohn.“ Religiös motivierte Kritik an der Bezahlpflicht im Supermarkt kam auch von der Backwahn-Sekte, die sich nun in der Ausübung ihres Glaubens behindert sieht.

In einem schnellen Kurzkommentar rechtfertige Deutschlands größte Boulevard-Zeitung die Paywall des Discount-Riesen mit dem Hinweis, dass in den USA schon längst jeder Bürger für Burger und andere Lebensmittel zahlen müsse. Das hätten die leitenden Mitarbeiter während des Studienaufenthaltes im Silicon Valley anfangs leidvoll erfahren müssen, sich aber später von den Vorteilen dieses Erlösmodells überrascht gezeigt. Auch die britische Tesco-Kette bereite die Bezahlschranke im Stillen schon vor. Die publizistische Alternativ-Avantgarde in Berlin konterte diesen Kommentar mit einer ebenso raschen Umdeutung der Kunst am eigenen Bau an der Rudi-Dutschke-Straße sowie dem Satz: „Das ist uns Latte.“

Bereits jetzt scheint die Bezahlschranke Vorbildcharakter für die gesamte Lebensmittelbranche zu haben. Die im höherpreisigen Segment angesiedelte Ebenda-Kette will sogar individuelle Preise für jeden Kunden ermitteln, wogegen „Prima leben und sterben“ (Plus) eine Flatrate im Abo konzipiert hat. Auch gegen die Ebenda-Pläne gibt es bereits Widerstand, überraschenderweise von der Lehrergewerkschaft GEW. „Individuelle Preise an der Supermarktkasse – das ist Stigmatisierung und kann gerade bei Kindern zu traumatischen Schäden führen“, heißt es in einer Pressenotiz der Pädagogenvereinigung. Über mögliche Streik-Aktionen gegen die Einführung von Lebenshaltungskosten und deren Individualisierung wolle man in der Lehrergewerkschaft unbedingt ein Stück weit diskutieren.

#tag2020 geht weiter

#tag2020 geht weiter. In zwei Wochen will der SPIEGEL aus den Vorschlägen, etwa 1000 sollen es sein, eine Vision für die Tageszeitungen der Zukunft zusammengesetzt sein.

Wer der Debatte folgen will, kann das auch über das MedienMagazin erledigen. Dort sind die wesentlichen Beiträge versammelt.

Ist der Geist erst aus der Flasche…

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In San Francisco havariert am Sonnabend eine Boing 777, und Flipboard Newsdesk gibt dazu ein Magazin mit Breaking News heraus. Gratis, lesenswert, hübsch anzusehen. Mehr als 15.000 „Abonnenten“ hat das bereits am Sonntagmorgen.
Interessant wird es zu sehen, wie diese Nachrichten in den Montagsausgaben im Print verarbeitet und anschließend kostenpflichtig vertrieben werden. Das Ganze erinnert ein wenig an den letzten Angriff einer Kavallerieeinheit gegen einen Panzerverband.
Kennt eigentlich irgendjemand eine Variante des Märchens, in der der Geist dauerhaft wieder in der Flasche verschwindet? Aber ist eben alles „Neuland“, dieses Internet.

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